Sonntag, 25. September 2011

Frieden vom Zaun brechen!


Die Schriftstellerin Barbara Frischmuth hat in einer Rede am 21. September in Linz zum Tag des Internationalen Friedens eine geniale Formulierung gefunden, die mich elektrisiert hat. Sie sagte: "Wie aber könnte es gelingen...... einen alltäglichen Frieden vom Zaun zu brechen? ....." 
Unmittelbar beim Lesen (Der Standard hat die Rede in seiner Samstagausgabe abgedruckt) hat mich buchstäblich "gepackt", was sie damit ausgedrückt hat. An anderer Stelle wird sie noch deutlicher, sie verwendet das Wort Aggressionsvermögen in einem Aufruf zu einer neuen Streitkultur, in der es Streitpartner statt Streitgegner gibt. Sie sagt:  "Damit dieses uns mitgegebene Aggressionsvermögen sich nicht gegen uns kehrt, sondern uns dazu anstiftet, für die bessere Sache auch die besseren Argumente zu finden. ..."
Für mich fühlte es sich an, als hätte sie in Worte gepackt, was ich in letzter Zeit an mir und in mir beobachte: Die Zeiten, in denen ich um des lieben (lauen) Friedens willen geschwiegen habe, sind im Moment vorbei. Ich fühle wieder stark in mir, daß ich etwas zu sagen habe, daß ich einen Standpunkt habe. Etwas aber hat sich geändert: Auch wenn mich Dummheit und Ignoranz in Rage zu versetzen mögen, der Grundton bleibt dort, wo ich mir bewusst bin, daß jedes Gegenüber so wie ich ein Herz hat, eine prägende Geschichte seines Lebens. Ich bin mir des Inneren Kindes gewahr, meines und dessen meines Gegenübers. 
Und ich kann tatsächlich nachvollziehen, daß dieses Aggressions-Vermögen ein "Vermögen" ist, Lebenskraft, Energie, die weise eingesetzt werden will, aber eben auch nicht unterdrückt sein soll.  
Wenn ich grundsätzlich in der Liebe bleibe, kann sich ein Streitpartner dem letztlich nicht entziehen. Die Botschaft kommt nonverbal bei meinem Gegenüber an, und die Gefahr einer "Entzündlichkeit" des Gesprächs ist prinzipiell gebannt.
Ich weiß, daß das keine neue Erkenntnis ist, und eigentlich wissen wir das alle. Für mich ist interessant, daß ich es jetzt fühlen kann. Und ich merke wie noch nie, daß die Intensität der Liebe zum Leben alles überwiegt. Die Schönheit in jedem Moment, die Rollen, die wir spielen (im besten Sinne, also z.B. als Mutter, als Kind, usw.), alles erscheint mir momentan wohltuend durchsichtig, transparent für die Liebe, die hinter allem steht und in allem ist.
Nützen wir diese aktuelle Zeitqualität für Diskussionen und (auch kontroverse) Gespräche, los, brechen wir Frieden vom Zaun!
By the way: Barbara Frischmuth (von der ich übrigens nur ein einziges Buch gelesen habe) schreibt seit 1966. In Anbetracht der Entwicklung bis heute -- wieviel Liebe muß jemand zum Leben und zu dieser Berufung haben, um im Jahr 2011 eine Rede für den Frieden schreiben zu können, die frisch und elektrisierend ist und provokante Lösungsansätze wagt. Das beeindruckt mich. Konstantin Weckers "Nur dafür laßt uns leben" gehört im Zusammenhang mit diesem Post gehört. Alt, jedoch hochaktuell, transportiert er für mich perfekt das Feeling einer unbändigen Liebe zum Leben...




 

Sonntag, 17. Juli 2011

Musik.

Link:  I'm so glad I'm standing here today

Ich war Dreizehn, als ich in der hiesigen Hartlauer-Filiale (gibt's dort nicht mehr) mit einer Freundin Plattenhören war. Die Single sah alt aus, irgendwie. Joe Cocker und die Crusaders. Nicht wirklich das, was gerade angesagt war. Trotzdem spürte ich, daß es wichtig für mich war, reinzuhören. Schon die ersten Takte elektrisierten mich. Ich hörte weiter, und dann wußte ich zweifelsfrei, dieses Lied gehört zu mir! Ehrlich, ich war richtig aufgeregt. Ich nötigte meine Schulfreundin, die Kopfhörer zu nehmen und das anzuhören. Nach ein paar kurzen Augenblicken zuckte sie die Schultern und gab mir die Kopfhörer zurück. Sagte ihr nichts. Mir aber umso mehr. Ich kaufte die Single. Noch jetzt kann ich mich an das Gefühl erinnern, einen Schatz gefunden zu haben. Und heute, mit Internet, wo es keine große Sache ist, welches Musikstück auch immer zu finden, macht es mir noch immer eine Riesenfreude.
"I was at home sick with the flu that night, had been in bed for 3 days, and I swear to you I was healed while watching that performance! Powerful stuff." 
Das ist ein Ausschnitt aus einem Kommentar zum Lied auf youtube und ich kann dazu nur sagen, das glaub ich dem aufs Wort! Mehr noch: Gerade heute hat dieses Lied auch mich wieder geheilt. Nicht körperlich, aber als Seelenbalsam. Gibt schon viel Wahnsinn hier auf unserem Planeten. In den letzten Tagen hatte ich in gewisser Weise ein Abgrenzungsproblem. Es ging um die Dürre in Ostafrika und ich hatte den Fehler gemacht, einen Bericht zu lesen, in dem drastisch geschildert wurde, was vorging, und daß 1,6 Mrd. Dollar nicht aufzutreiben waren, die die UNO braucht, um das Schlimmste nicht zu verhindern, aber abzumildern. Und vorher hatte ich blöderweise gelesen, daß in einem finanzpolitischen und/oder wirtschaftspolitischen Zusammenhang grade mal 85 Mrd. Euro bereitgestellt wurden. Naja, und dann hatte ich ein Problem. Ein Machtlosigkeitsproblem. Ein "Ich möchte toben wie ein kleines Kind"-Problem und ein "Ich halte es nicht aus, ich muß auf die Barrikaden gehen"-Problem. Folgendes habe ich mir dabei in Erinnerung gerufen, weil ich mir vorgenommen habe, es mir in Erinnerung zu rufen, wenn der "innere Revoluzzer" wieder mal "Hallo" sagt (oder besser gesagt: schreit):

Wir haben für „Rebellen“ eine eigenwillige, unübliche Definition gewählt. Für uns sind Rebellen „Musterbrecher“. Menschen, die den Zeigefinger hin zum eigenen Herzen drehen. Die sich selbst in den Wind der Veränderung stellen und die bei sich selbst beginnen. Rebellen in diesem Sinne sind Menschen, die sich erlauben, mit dem Herzen zu denken und fühlend wahrzunehmen. Auch die eigenen Unebenheiten und Schatten – um diese fühlend zu befreien. (Nochmals: Dieses Bild des „Rebellen“ ist still und unspektakulär und unterscheidet sich von der üblichen Bedeutung. Wir bitten um Toleranz.) Ganz anders Revolutionäre. Diese zeigen auf den anderen. Auf die andere. Auf das System. Auf die Gesellschaft. Geben anderen die Schuld. Alle Revolutionäre dieser Welt haben versagt und ihre eigenen Kinder gefressen. Wie unappetitlich. Revolutionäre mögen eine große Vision verfolgen – doch der Ansatz hat versagt, wie uns die Geschichte lehrt. (Wir müssen die Veränderung sein, die wir erleben wollen. Es mag sein, dass uns andere dann begleiten – oder auch nicht.)
Rebellen lassen das gesamte Konzept von „Schuld“ fallen. Denn sie wissen – wem sie die Schuld geben, dem geben sie die Macht. (Zitat aus dem Programm "Mein Weg -- der Adler befreit sich" von Jwala und Karl Gamper auf www.gamper.com)

Diesen Text konnte ich mit dem Verstand bejahen, aber in meinem Bauch brüllte ein wütender Löwe und mein Herz hatte die Vorhänge zugezogen. Sozusagen. Und dann das: "I've lived to see the sun break through this dawn, I'm so glad I'm standing here today..." Die Sonne begann vorsichtig durch die Vorhänge hindurchzuscheinen, und dann... war ich wieder da. Ja, ich stehe hier, an meinem Platz, und ich trage das bei, was ich beizutragen habe. Es scheint nicht viel zu sein, aber das kann man nie wissen. Ein Lied ist auch "nicht viel", es füttert nicht die hungernden Menschen, aber es hat heute meine Seele berührt, und das ist gut so. Und das noch: Ich kenne viele Arten zu heilen, und jede funktioniert auf ihre Weise zur richtigen Zeit unter den richtigen Bedingungen. Musik ist definitiv eine davon. Ein Heilinstrument, das wir gar nicht hoch genug schätzen können. Herzöffner. Danke.


Donnerstag, 7. Juli 2011

Akzeptanz, mhm, das tut gut!

Vergangene Woche fand ein 30 Tage langes Zeitfenster mit besonderen astrologischen Konstellationen seinen Höhepunkt im Krebs-Neumond am 1. Juli. 2011 ist ein Venus-Jahr, ein Vierer-Jahr, wenn wir die Meisterzahl 11 nicht reduzieren, ist es ein Dreizehner-Jahr, Dreizehn als Zahl, die auf weibliche Gottheiten, auf Mutter Erde, auf die Kraft der Weiblichkeit hinweist. Neumond im Zeichen des Krebses, der wiederum ganz stark weibliche Qualitäten repräsentiert. Das alles wirkt sich mehr oder weniger auf unsere Alltagsrealität aus, je nachdem, wie bewußt wir uns diesen Energien hingeben. Schon seit Jahresanfang wurde meine Aufmerksamkeit immer wieder auf das Thema Zwillingsflamme, Seelenpartnerschaft usw. gelenkt. Ich glaube ja, es handelt sich dabei eher um die Vereinigung der männlichen und weiblichen Energien IN UNS als um eine Begegnung mit DEM oder DER EINEN. Trotzdem hatte ich heuer schon öfter Gespräche, die sich um die Vision einer Partnerschaft drehten, in denen die Partner sich vom ewigen Drama der verwundeten Emotionalkörper befreit, ihre Gefühle geheilt und damit den Weg freigemacht haben für einen echten "Tanz der Herzen". Solche transformierten Partnerschaften würden viel Sinn machen für unsere menschliche Realität.
"Ich aktiviere Deine Wunden, Du aktivierst meine Wunden, und das spielen wir solange mit unterschiedlichen Partnern, bis wir gelernt haben, uns selbst zu lieben, und wenn es Tausende von Jahren dauert", so lautete und lautet die Regel unserer herkömmlichen Partnerschaften, und das bindet viele Kräfte, schafft Krankheiten, und ist extrem ermüdend. 
 
Eine Seelenpartnerschaft auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz, in der keine alten Wunden aktiviert werden, sondern Qualitäten und Talente im anderen durch Liebe hervorgebracht und sogar erhöht werden, hätte den Vorteil, daß sie extrem belebend und energetisierend im besten Sinne wirken könnte. Durch eine Verschmelzung auf Herzebene, die nichts mit herkömmlichen Bindungsmustern zu tun hätte,  käme es zu einer echten Hoch-Zeit für die Menschheit. Männliches und Weibliches in konstruktiver Partnerschaft zum Wohle des Ganzen.  
Warum ist das für die meisten Menschen nur eine Utopie? Wir alle tragen doch den Wunsch nach Verschmelzung in uns, die Aussicht auf eine Begegnung mit unserer Zwillingsflamme oder wie auch immer man es nennen will, läßt unsere Herzen höher schlagen. Ich glaube, das größte Hindernis ist der Wunsch nach Vervollkommnung durch einen Partner. Wenn ich glaube, daß jemand anderer mich vervollkommnet, dann liegt darin eine ungeheuerliche Erwartung und ein Ansinnen an einen Partner, das kein Mensch erfüllen kann. Solange wir nicht die Absicht hegen und uns nicht die Erlaubnis geben, allein (all-ein, eins mit allem) vollkommen zu sein, können wir nicht auf Erfüllung in einer Seelenpartnerschaft hoffen. (Erfüllung meint hier -- völlig abseits von Religiösität -- miteinander so etwas wie einen "göttlichen Plan zum Wohle des Ganzen" zu erfüllen, was wiederum tiefste seelische Zufriedenheit auslösen dürfte.)
Männer und Frauen haben hierbei noch einen langen Weg vor sich. Wenn wir einen Blick darauf werfen, was auf unserem Planeten vor sich geht, liegt es auf der Hand, daß das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Männlich und Weiblich wiederhergestellt werden muß. Männer dürfen sich ihre tiefe Angst vor der weiblichen Kraft erst einmal bewußt machen, und diese Angst dann transformieren. Frauen dürfen sich die Angst vor ihrer eigenen Kraft bewußt machen, dürfen lernen, den Hass zu überwinden, der aufgrund jahrtausendelanger Unterwerfung in jeder Zelle gespeichert ist, und sie dürfen lernen, ihre Macht zum Wohle aller einzusetzen. Männer haben keine Angst davor, mächtig zu sein, aber sie haben Angst vor der Macht der Weiblichkeit. Diese Macht ist nicht daran interessiert, sich auf Kosten anderer zu bereichern, und sie ist nicht an Kriegen interessiert. Frauen wiederum haben Angst vor ihrer eigenen Macht, weil sie intuitiv um ihre Kräfte wissen, und weil sie wissen, daß diese Kräfte auch zerstörerisch wirken können. Viel Angst auf beiden Seiten, viel bewußt zu machen, viel zu transformieren. Und das alles vor dem Hintergrund einer Leistungsgesellschaft, die die Beschäftigung mit solchen Themen ins Reich der Hirngespinste verbannt. 
Als unerschütterliche Optimistin bin ich aber überzeugt, daß wir in den letzten Wochen als Menschheit wieder einen Schritt hin zu mehr Balance zwischen Männlich und Weiblich getan haben, und daß sich diese Energien in der nächsten Zeit noch potenzieren werden. Unsere Gesellschaft ist im Umbruch, je nachdem, wo unser Fokus ist, können wir immer wieder kleine Fortschritte bemerken, hin zu mehr Authentizität, Integrität und Akzeptanz.

Vor kurzem hatte ich die Freude, ein paar Stunden im Gespräch mit einem Menschen zu verbringen, dem vollkommen bewußt war, wie grundlegend wichtig die weibliche Kraft für die Entwicklung der Menschheit ist. Es war eine Begegnung der etwas anderen Art. Herz und Hirn verbunden, keine versteckte Kampfbereitschaft gegen Weiblichkeit, ich konnte Akzeptanz buchstäblich fühlen. Mhm, das tat gut. Noch am nächsten Tag spürte ich die positiven Auswirkungen des Gesprächs auf mein Energiesystem. Und es bestätigte mir wieder einmal, wovon ich ohnehin zutiefst überzeugt bin: Der erste Schritt zur Einheit ist Akzeptanz. Akzeptanz für alles, was wir sind, für alles, was in uns ist, und daraus ergibt sich Akzeptanz für alles, was um uns ist. Denn: alles ist mit allem verbunden, unser Konzept des Getrennt-Seins ist nur eine Illusion. Wir sind ein Teil von Allem, Alles ist ein Teil von uns. Also können wir ruhig anfangen, uns zu akzeptieren, denn was anderes als uns gibt es ja in Wahrheit nicht. Tut das nicht gut? Mhm....

Sonntag, 26. Juni 2011

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

Gedanken zum Geschenk des Lebens, inspiriert von Christoph Schlingensief...

Gestern abend fiel in einem Gespräch mit einer Freundin, die beruflich viel mit Kranken zu tun hat, ein Satz von ihr, der mich später noch lange beschäftigte. Sinngemäß meinte sie, es falle ihr in letzter Zeit auf, daß es bei Chemotherapie-Patienten schon fast so weit gekommen sei, daß sie sich als schwach empfinden, wenn sie die Therapie nicht gut vertragen, da es auch einige Menschen gäbe, die aufgrund ihrer Konstitution die Chemo ohne größere Schwierigkeiten erleben. Und die dann -- das Wort, auf das wir uns einigten, war "dynamisch" -- eben als dynamische Typen gelten, die sich von so einer Chemo nicht einfach umhauen lassen. Sozusagen. Wir empörten uns über diese absurde Haltung unserer Leistungsgesellschaft. 

Daheim fiel mir dann das Buch "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein" von Christoph Schlingensief ein, das mich sehr berührt hat in seiner bedingungslosen Ehrlichkeit. Und ich dachte darüber nach, wie er gekämpft hat, wie er sich selber auf den Grund gegangen ist in dieser Zeit, und daß er aber ein Künstler war, der exzessiv seine Kunst gelebt hat, und seiner Kreativität freien Lauf gelassen hat und berühmt war und so weiter.

Worauf ich hinaus will: Wenn schon so ein Mensch, der in seinem Leben nicht im Hamsterrad des Alltags gestanden ist, der es sich erlaubt hat, ganz anders zu sein, und Kontakt zu seinem Inneren Künstler hatte, wenn so ein Mensch in seiner Krankheit Monate damit verbringt, seine Seele zu erforschen, sein Leben zu durchleuchten, auch in Frage zu stellen, was er gemacht hat, und zwischen Hoffnung, Angst und Verzweiflung pendelt, wie dringend braucht dann erst ein "normaler" Krebspatient die Möglichkeit, auf sich zu hören, Verzweiflung und Schmerz auszudrücken, mal auszurasten (im Sinne von durchdrehen), und vor allem sich Ruhe zu gönnen.

Christoph Schlingensief: ...natürlich darf man in der Öffentlichkeit seine Tränen zeigen. Warum denn nicht? Was haben die alle für Probleme mit ihrem Selbstüberwachungsstaat? Als besäßen wir alle irgendein kleines Kästchen, das gegenüber allen anderen beschützt werden muß. Die sollen doch mal ihre Emotionen rauslassen, die Leute! Scheiß doch auf dieses ganze Absicherungsgetue, dieses Verstecken vor den anderen! Diese meterdicken Verbände, die sich die Leute um ihre Wunden wickeln, können mir doch gestohlen bleiben. Ich will in dem Zustand, in dem ich jetzt bin, jemand anderem begegnen und sagen: Schauen Sie, hören Sie! Und der autonome Betrachter reagiert, indem er vor allem mit sich selbst umgehen muß....

Wofür läßt sich ein Mensch vereinnahmen von einer Gesellschaft, die sich keinen Pfifferling für seine Seele interessiert? Vor ein paar Monaten hatte ich immer so einen Satz im Ohr, der einen gewissen Rhythmus hatte: "Wen, wenn nicht Dich, interessiert, was Deine Seele will? Wen, wenn nicht Dich, interessiert, was Deine Seele will?" Es stimmt. Und heute denke ich, es war ein Hinweis auf das Thema "Eigenverantwortung", das sozusagen gerade in Leuchtbuchstaben über unseren Köpfen schwebt. Wir sind dafür verantwortlich, für uns zu sorgen. Auch in seelischer Hinsicht. Es kommt niemand und erledigt das Thema Selbstliebe für uns. Niemand nimmt uns das Thema Eigenverantwortung ab. Niemand würdigt das Geschenk unseres Lebens für uns. Das müssen wir schon für uns selber tun. 

Christoph Schlingensief: Warum konnte ich mich und meine Sachen nicht einfach mögen, egal, was die anderen gesagt haben? Warum habe ich nicht einfach das Leben genossen? Warum habe ich es nicht als schön empfunden, dass so viele Gedanken zusammenkamen? .... Warum habe ich mich für meine Arbeit nicht einfach mal gemocht? Für die Fähigkeit, Leute zusammenzubringen, Gedanken zusammenzubringen und zu mixen -- das kann ich doch, und das ist mir doch wichtig. ...... Aber ich habe mich nicht freuen können, mich nicht streicheln und lieben können. Sich immer mal wieder zu sagen, Christoph, das war ein guter Tag, das hast du gut gemacht -- das habe ich einfach vergessen. Und das ist schade. Das ist sehr, sehr schade.

Und an anderer Stelle: Ich bin heute zu Fuß zur Pizzeria gelaufen, 25 Minuten lang. An jedem dritten Baum mußte ich stehen bleiben und verschnaufen, weil die Narbe beim Laufen nach vorne ausstrahlt und es dann ziemlich wehtut. Da habe ich einfach meinen Rücken an die Bäume gepresst, und der Schmerz hat nachgelassen, das war toll. Aber das Schönste war: Ich habe heute auch Bäume gestreichelt. Ich habe sie berührt, die Blätter gestreichelt, meinen Kopf hinten an der Rinde langsam hin und her gerieben, meine Füße im Gras gespürt. Es war einfach wunderschön. Das hätte ich mir früher nie zu sagen erlaubt. Aber ich bin eben jetzt so. Ich bin jetzt auch ein bisschen esoterisch. Jedenfalls war das ein Jahrhundertausflug für einen Spagettiteller.

Ja, ich denke, es ist eine wichtige Aufgabe, die wir hier auf diesem Planeten Erde haben, unsere Glücksmomente zu genießen. Zu wissen, was Glück bedeutet. Auch wenn jeder Mensch anders gestrickt ist, meistens werden echte Glücksgefühle durch die einfachen und wahrhaftigen Dinge ausgelöst: das Lachen eines Kindes, prallvoll blühende Obstbäume, ein Regenbogen, der erste Schnee, ein Musikstück.

Mein derzeitiger Favorit: ein Häferl dampfend heißer Kakao am Abend auf meinem Balkon, die Vögel zwitschern noch, ich sauge den Anblick der Natur richtig auf, streichle die Lavendelpflanzen mit meinen Blicken, ich freue mich schon darauf, wenn die violetten Blüten endlich da sind. Daneben ein Bouquet aus gelben, roten, rosa und lila Blüten in einem großen Topf, frech gemischt in Farben, die eigentlich nicht zusammenpassen, aber in ihrer Üppigkeit und Vielfalt ein Geschenk sind. Und plötzlich fällt mir ein: So bin ich auch, widersprüchlich in meinen Anlagen und Talenten, bunt, nicht jedermanns Sache, üppig in der Form und in meiner Vielfalt auf jeden Fall ein Geschenk. Danke, mein Leben, daß ich dich leben darf!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Here's to the "Kreisverkehr"!

Allgemeine Anmerkung

Gleich vorneweg: Ich bin weit davon entfernt, die Zusammenhänge zu durchschauen. Ich kontempliere hier nur darüber, was mir in letzter Zeit verstärkt aufgefallen ist: Everywhere -- Kreisverkehr!
Ich frage mich, gibt es einen heimlichen Beautyberater für Gemeinden, der den Bürgermeistern in schwachen Stunden ins Ohr raunt: "Kreisverkehr, Baby, Kreisverkehr..."?
Wo immer ich in letzter Zeit in Oberösterreich, in Niederösterreich und auch sonstwo hingefahren bin, überall finde ich einen Kreisverkehr vor. Wo vorher eine einfache Ortseinfahrt war, übersichtlich und geradlinig, kreise ich heute im Kreisverkehr, was meiner Ansicht nach null komma nichts in Sachen Sicherheit bringt. Ganz im Gegenteil, es ist eine weitere Gefahrenquelle hinzugekommen. Manche ganz besonderen Gemeinden können sogar einen doppelten Kreisverkehr vorweisen (soll heißen, zwei Kreisverkehre hintereinander). 
Ich bin mittlerweile überzeugt davon, daß es so etwas wie einen Fashioncode für Gemeinden gibt, und der lautet: "Eine Gemeinde, die auf sich hält, hat als modisches Accessoire dieser Tage einen Kreisverkehr vorzuweisen...".

Mir ist klar, daß der Text bis hierher nicht wirklich lustig geworden ist, und genauso ist mir auch zumute. Denn jetzt geht's an den (Seelen-)Kern der Sache: Wer bezahlt das eigentlich? Und wie paßt das zusammen mit der generellen Geldnot der Gemeinden?
Und, ich weiß, ich weiß, ich stelle mir das viel zu einfach vor, aber: Ich wäre begeistert, würde man genauso viel Geld in die Bezahlung der Menschen pulvern, in deren Obhut unsere Kinder sind: z.B. Kindergärtnerinnen, Kindergartenhelferinnen, (warum eigentlich nur -Innen, warum niemals Kindergärtner?).
Es wäre mir eine große Freude, zu sehen, daß in österreichischen Gemeinden durchgehend soviel Geld in die Gestaltung von Plätzen investiert wird, auf denen sich unsere Jugendlichen austoben können, oder einfach nur chillen, was auch immer. Und das nicht irgendwo am Rand, wo sie keinen stören, sondern in "prominenter" Lage.
Es würde mich richtig glücklich machen, wenn adäquate Einrichtungen für Kinder in Schwerstbehindertenklassen (z.B. Wasserbett im Ruheraum u.ä.) nicht erst mühsam "erbettelt" werden müssten (wegen... ja, richtig, Geldnot!), sondern einfach Standard wären, usw. usf.

Ich weiß, daß ich Äpfel mit Birnen vermische, ich weiß, daß ich womöglich Land und Bund und Gemeinden durcheinanderbringe, daß es nicht einfach ist, vorhandene Mittel gerecht aufzuteilen. Das weiß ich alles.

Aber ich sehe auch: Man muß eben Prioritäten setzen.Was ist uns im Zusammenleben wichtig, was hat Vorrang für uns als Gesellschaft? 

Ganz klare Antwort der Verantwortlichen:
Krügel in die Hand, und jetzt alle miteinander: "Ein Hoch auf unseren Kreisverkehr!"