Mittwoch, 4. Januar 2012

Königlich!

Link zu Reinhard Mey: SEI WACHSAM 

Königlicher Abstammung sein, sich königlich amüsieren, königliche Familie, ein königliches Mahl, die Hl. Drei Könige, es waren zwei Königskinder, .... Königskinder? Moment mal, dazu fällt mir etwas ein. Meine Kinder mußten und müssen sich von Zeit zu Zeit von mir anhören, daß, wer königlich behandelt werden will, auch bereit sein muß, sich königlich zu verhalten. Damit meine ich, daß es königlich ist, sich auch um andere zu kümmern, nicht nur auf sein eigenes Wohl zu achten, daß man von oben herab nicht königlich ist, sondern nur auf dem hohen Ross sitzt. So in etwa sind meine Assoziationen zu königlich. Eigentlich meine ich damit, unterstelle ich ganz selbstverständlich, daß ein König sich weise verhält. Ich merke jetzt, während ich das schreibe, daß ich einem König automatisch Weisheit zuschreibe. Woher kommt das? Ganz sicher nicht aus den Nachrichten zum Tagesgeschehen. Ich erinnere mich an weise Könige in den Sagen, die ich als Kind gelesen habe.  Fällt mir ein weiser Mensch im Tagesgeschehen ein? Nicht auf Anhieb. Ist Weisheit noch eine Kategorie in unserer Welt? Und wie erlangen wir Weisheit, wenn wir uns vom Ego treiben lassen, entweder verängstigt oder triebgesteuert, medienberieselt und/oder am Egotrip? Ist das ein Leben? Ja, schon, aber ist das ein Leben, das wir königlich nennen könnten? Kommt drauf an, in welche Richtung wir denken. "Des Kaisers neue Kleider". Den findet man mit Leichtigkeit im Tagesgeschehen. Mir geht es aber darum, daß ich mich gerne königlich verhalte, meine Talente würdige, andere Menschen so königlich behandle, wie ich auch behandelt werden möchte, daß Weisheit, Authentizität und Integrität erstrebenswerte Eigenschaften für mich sind, die ich als königlich erachte. Königlich ist es auch, über sich selbst lachen zu können, eigene Fehler zu sehen, anderen Menschen etwas zuzutrauen, junge Menschen und Kinder ernst zu nehmen und sie als gleichgestellt in ihrer Wichtigkeit zu erachten. 
Darauf will ich hinaus: Wie cool wäre das denn, wenn wir uns alle als Könige fühlen würden, und auch die dazugehörige Weisheit anstreben? Das königliche Verhalten üben, wertschätzend nicht nur für seinesgleichen, äußeren und inneren Reichtum als angemessen erachten, und zwar für jedermann? Wir müssen es nur tun, uns innendrin entscheiden, unabhängig von den äußeren Umständen. 
In den Fußgängerzonen, in den Supermärkten, an den Tankstellen, in den Ämtern, lauter Königinnen und Könige unterwegs. Jede und jeder einzelne stolz auf seine Fähigkeiten, selbstbewußt und das Königliche im Anderen anerkennend. Keine Untertanen, keine Obrigkeiten. Respekt und Wertschätzung für jeden. Da knackt's in den Gehirnwindungen, oder? Wer könnte uns dann noch einreden, wir wären besser mit diesem oder jenem Konsumartikel, in dieser oder jener Kleidung, in diesem oder jenem Viertel wohnend usw. usf. Wer könnte uns Lügen erzählen über die Anderen, die uns angeblich was wegnehmen? Wo wäre dann die Motivation, sich für Geld halbtot zu arbeiten, nur damit man besser dasteht? Wo kämen wir denn da hin? Womöglich in ein friedliches, genußvolles Leben, achtsam für Körper, Geist und Seele? Womöglich wohin, wo es weit und breit keine Seelenkrankheiten wie Burnout gibt? Womöglich wohin, wo klar ist, daß innere Werte zählen? Daß ein Leben wert ist, gelebt zu werden? 
Wie ignorant ist es denn, in einer Gesellschaft wie der unsrigen zu leben, und seinen Lebensinhalt darin zu sehen, materiellen Werten nachzujagen? Eben, weil wir ein Dach über dem Kopf haben, gut ausgebaute Infrastruktur, Nahrungsmittel im Überfluss und noch viel mehr, eben deshalb haben wir meiner Ansicht nach die Pflicht, auf innere Werte zu schauen, einen edlen Charakter als erstrebenswert zu erachten, wenn möglich Feinheit zu entwickeln in unseren Wahrnehmungen und unseren Handlungen.

Das könnte mir wahrhaft königlich gefallen!